Feier zum Tag der Deutschen Einheit bei den Rastatter NaturFreunden

Bericht "Feier zum Tag der Deutschen Einheit"

Eine besondere Feier zum Tag der Deutschen Einheit begingen die NaturFreunde am 9. Oktober 2020. Unter dem Titel "30 Jahre Deutsche Einheit - was wissen Westdeutsche vom Leben Ostdeutscher? Zeit für Fragen, zum Zuhören und biografische Erlebnisse" trafen sich eine handvoll Naturfreunde mit zwei Familien, die einen Teil ihrer Kindheit noch in der DDR erlebt hatten. Das Datum 9. Oktober wurde gewählt, um die Bedeutung der friedlichen Revolution, für die die Montagsdemonstrationen am 9. Oktober 1989 stehen und die dem rein formalen Akt des Beitritts am 3. Oktober 1990 vorangegangen war, zu würdigen.

Bei einem gemeinsamen Abendessen mit kulinarischen Beiträgen aus Ost und West - mit Abstand und in gemütlicher Atmosphäre - wurde ein Raum geschaffen, ostdeutsche Perspektiven zu hören, aufzunehmen und zu diskutieren. Während sich für die Menschen in den alten Bundesländern ihr Alltag durch die Wende kaum veränderte, bedeutete sie für die in der ehemaligen DDR einen radikalen Bruch. Wie haben Menschen in Ostdeutschland dies erlebt und wie wirkt sich das noch heute auf ihr Leben aus? Gibt es 30 Jahre danach noch so etwas wie eine ostdeutsche Mentalität oder ist endlich Zeit für ein Ende der "innerdeutschen Nabelschau"? (Kommentar von Dieter Klink im BT vom 2. Oktober 2020)

Schnell wurde deutlich, dass es "die" ostdeutsche Perspektive nicht gibt. Je nach familiärem Hintergrund und Generationenzugehörigkeit wurden die damaligen Ereignisse sehr unterschiedlich und individuell erlebt.  Während für Familien mit starkem christlichem Bezug die Freude über das Ende des Regimes riesengroß war, bedeutete dies für andere auch das Wegbrechen sozialer Bezüge und Sicherheiten bis hin zu traumatischen Erlebnissen. Gemeinsam ist aber in jedem Fall eine ungeheure Erleichterung und Freude über die gewonnenen persönlichen Freiheitsrechte, die Religions- und Meinungsfreiheit und die Möglichkeiten zur individuellen Entwicklung der Persönlichkeit. Die starke Ausrichtung der Erziehung auf das sozialistische System, eine Einflussnahme durch den Staat schon in frühester Kindheit, eine allgegenwärtige Überwachung durch die Stasi und eine Atmosphäre von Misstrauen und Unsicherheit wurde selbst von zehnjährigen Kindern schon stark wahrgenommen.

Übereinstimmung bestand aber in beiden Familien auch darüber, dass sie eine starke Abwertung ihrer ostdeutschen Identität erfahren haben. Obwohl alle Familienmitglieder mittlerweile schon lange in den alten Bundesländern leben und auch die zweite Hälfte ihrer Kindheit schon im vereinten Deutschland verbracht haben, mussten sie an vielen Stellen erleben, dass ihre Fähigkeiten und Qualifikationen im Westen nicht anerkannt wurden. Die Tatsache ihrer Herkunft aus den neuen Bundesländern erlebten sie immer wieder als Hemmnis in ihrer beruflichen Entwicklung. Fehlende Wertschätzung gehört zu den bitteren Erfahrungen dieser Generationen.

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