Pressemeldungen zu Umweltthemen

Blühende Pflanzen statt Schottergarten

Herrenberg: Naturfreunde tauschen sich beim Umwelttreffen auch über völkische Umtriebe aus

Erfahrungsaustausch, die Stabilisierung des Netzwerks der Umweltreferenten in Baden-Württemberg und die Fortbildung-das stand beim Umwelttreffen der Naturfreunde am Wochenende im Fokus. An zwei Tagen trafen sich 26 Interessierte im Herrenberger Naturfreundehaus.

Von Jacqueline Geisel am 22. April 2018

Jedes Jahr findet die Fachbereichskonferenz der Umweltreferenten der Naturfreunde, die in ganz Baden-Württemberg aktiv sind, an einem anderen Ort statt. Und jedes Jahr stehen andere Thernen auf der Agenda. Alexander Habermeier, Umweltreferent des Landesverbandes, warf einen Blick in die Zukunft, auf den "Garten der Umweltfreunde", den die Naturfreunde als Projektleiter gemeinsam mit NABU und BUND bei der Bundesgartenschau in Heilbronn im kommenden Jahr hegen und pflegen werden. Auf der Fläche der Verbände wird es verschiedene Gärten mit Umweltbildungsangeboten geben.

Mit dieser Aktion wolle man Gärten zeigen, wie sie besonders in Ballungsgebieten für Klima und Artenvielfalt wichtig sind, erklärte Habermeier - blühende Pflanzen, saftiges Grün und pflanzliche Diversität anstatt Schottergarten. Und das ohne erhobenen Zeigefinger. Vielmehr sollen die Gärten laut dem Umweltreferenten überzeugen, positiv dargestellt werden und zeigen, dass es gar nicht so schwierig ist, den eigenen Garten so zu bepflanzen. Gut für die Tiere, gut für das Klima und auch gut für den Menschen, der sich dann wohler fühle, seien solche Gärten Habermeiers Erfahrung nach.

In eine thematisch ganz andere Richtung lief der Vortrag am Sonntagmorgen, gehalten von Yannick Passeick. Er ist Bildungsreferent bei "Farn", der Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz. Erst im Oktober vergangenen Jahres wurde diese ins Leben gerufen. Historische und aktuelle Verbindungen zwischen Natur- und Umweltschutz sowie extrem rechten und völkischen Strömungen sind das Themengebiet von "Farn".

"Völkische Tradition im Naturschutz" war dementsprechend der Titel von Passeicks Vortrag. Er rollte das Thema histonsch auf und machte darauf aufmerksam, dass Naturschutz schon immer mit Rechtsextremismus zu tun hatte, seit seiner Anfangszeit Ende des 19. Jahrhunderts. Diese Strömungen hatten sich Natur- und Umweltthemen für ihre Zwecke zunutze gemacht. Besonders für eine eher linke Einrichtung wie die Naturfreunde sei dieser Aspekt daher von großer Bedeutung.

Von Rechten missbraucht

Bis heute würden Themen des Naturschutzes von rechten Organisationen missbraucht. Und dafür wolle "Farn" die Menschen sensibilisieren - gerade in Zeiten des Rechtsdrucks. An den Vortrag schloss sich ein Workshop an, bei dem die Anwesenden Texte aus rechten Medien zu Naturschutzthemen genauer unter die Lupe nahmen. AuBerdem wurden Handlungsperspektlven entwickelt: Wie kann man reagieren, wenn man mit dem Thema oder rechts eingestellten Menschen konfrontiert wird? Wie erkennt man so etwas überhaupt?

Da wurden, glaube ich, Augen geöffnet

..., schätzte Alexander Habermeier. Der ein oder andere Teilnehmer hatte sogar eine persönliche Erfahrung parat. Überraschend und erschreckend sei für Habermeier gewesen, wie subtil sich rechtes Gedankengut in manchen der angeschauten Texte versteckt habe. Der Austausch untereinander - zu aktuellen Themen, wie man sich gegenseitig helfen kann und natürlich über die Vorträge selbst - kam an diesem Wochenende ebenfalls nicht zu kurz. Raus in die Natur um Herrenberg ging es bei dieser Gelegenheit natürlich auch. Am Samstag untemahm die Gruppe eine Wanderung, geführt von Willi Stoll, dem Wanderleiter der Herrenberger Ortsgruppe. Unter anderem die Baustelle des neuen Schönbuchturms haben sich die Männer und Frauen dabei angesehen.